Archive for the 'consumerism' Category

26
Oct
11

Glänz glänz, glitzer glitzer – Gender und Konsum in der Türkei

“Piril piril!” ruft Arzu Freude strahlend aus. “Piril piril!” gibt Nebahat anerkennend zurück. Piril piril ist Türkisch und heißt soviel wie “shiny shiny” oder auf deutsch “glitzer glitzer”. Die beiden Studentinnen sind gerade in Cevahir, dem größten Konsum-Tempel Europas angekommen. Sie lachen aufgeregt. Ihr Körper schüttet Endorphine aus. Glänzende Marmorfußböden und andere spiegelglatte Oberflächen, luxuriöse und ausladende Innenarchitektur. Hier sind sie wer. Hier ist es egal, ob sie eigentlich aus einem unteren Mittelklasse-Viertel stammen. Hier fühlen sie sich wie Prinzessinnen – selbst wenn sie auf der Toilette ihr Geschäft verrichten. Alles ist sauber, die Luft, die Böden, das Glas. Die Menschen sind gut gekleidet, als würden sie gleich bei einem Werbe-Casting für die neue Zara-Winterkollektion vorsprechen. 48 Stockwerke voller Dinge, die sie sich schon lange gewünscht haben. Doch wohin zuerst? Arzu möchte auf direktem Weg zum Adidas Store, sie hat Schuhe in der Werbung gesehen, die sie unbedingt anprobieren möchte. Nebahat möchte lieber zu Mango. Noch bevor sie die Läden ihrer Begierde erreicht haben, überfällt sie der Hunger. Burger King oder lieber zum traditionellen Muhallebici nebenan, der türkische Milchsüßspeisen verkauft? Die Mädchen diskutieren. Bei 343 Läden wird die Wahl leicht zur Qual.

Arzu’s Telefon klingelt. Ihr Vater ist am Apparat und möchte wissen wo sie ist. Dieses mal muss sie nicht, wie sonst so oft, lügen. “Cevahirdayiz” (dt.: Wir sind in der Cevahir), sagt sie gut gelaunt. Der Vater wünscht viel Spaß und bestellt einen Gruß von der Mutter und einen an ihre Freundin. Arzu weiß, dass es ihren Eltern gefällt, wenn sie in der Shopping-Mall ist. Es beruhigt sie zu wissen, dass ihre Tochter in einer sicheren und sauberen Umgebung ist. An einem gut gekühlten öffentlichen Ort, wo sie zwar auch mit dem gefährlichen anderen Geschlecht konfrontiert wird, jedoch in einer Prestige trächtigen Umgebung. Es beruhigt die Eltern auch zu wissen, dass Arzu nicht allein ist und somit “tugendhafter” erscheint. Die Eltern sehen es nicht gern, wenn Arzu draußen auf der Straße herumläuft. Frauen, die draußen – womöglich noch alleine – herumlaufen, riskieren sexuelle Belästigungen.

Die Tempel des globalen Bürgertums

Früher waren Einkaufstrips zu Shopping-Malls der Elite vorbehalten. Mittlerweile sind Shoppingmalls zum Symbol einer demokratischen Massenkultur geworden, zu der auch untere Klassen Zugang besitzen und damit eine Stück vom Kuchen der Konsumfantasie, des Raumexzesses und des Massenspektakels abbekommen und somit am “globalen Bürgertum” partizipieren. Die Shopping-Mall ist deshalb nicht nur ein Ort des reinen Konsums von Waren. Sie ist auch ein Ort an dem bessere Lifestyles imaginiert werden, auf und durch den Wünsche projiziert werden. Shopping Malls können als Tempel der kollektiven Imagination interpretiert werden. Das reiche, moderne und luxuriöse Ambiente animiert die Sinne der Flaneure und lässt in ihnen das Gefühl keimen der globalen, urbanen Welt anzugehören. Die Flaneure von Shopping Malls befinden sich gleichzeitig und gleichräumlich in München, Singapore, Lima, Austin oder Kapstadt. Im Gegensatz zu einem normalen Laden, ist es möglich in einer Shopping-Mall einfach nur herumzuhängen und sich trotzdem dazugehörig zu fühlen. Die soziale Identität bleibt im Autohaus. Shopping-Malls sind Orte der Rollenspiele.
Wikipedia listet 73 aktuelle Shopping Malls in Istanbul, 14 weitere befinden sich in Planung. Und dennoch – die Einkaufskultur bleibt vielschichtig.

Konsumwelten in der Türkei

Die Shoppingmall-Einkaufskultur der Türkei unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von dem Einkaufen auf dem Bazar oder dem Einkaufen in kleinen Läden in der unmittelbaren Nachbarschaft. Ein traditioneller, überdachter und ebenerdiger Bazar in der Türkei ist eine Männer-Domäne. Konsumenten stehen in der Regel männlichen Verkäufern gegenüber, die sie oft und üblich auf einen Tee einladen, einen Schwatz mit ihnen halten und mit denen sie über den Preis verhandeln können. Die “offenen” Bazare, also die nicht überdachten unterscheiden sich von den geschlossenen dadurch, dass sie zunehmend auch weibliche Verkäuferinnen zulassen. Im Gegensatz zu den Bazaren, kann in den kleinen Läden in der unmittelbaren Nachbarschaft zwar nicht ganz so selbstverständlich über den Preis der Produkte verhandelt werden. Ausschlag gebend ist aber die Beziehung des Konsumenten zum Verkäufer/Ladenbesitzer. Ist dieses Verhältnis gut, kann durchaus auch über den Preis verhandelt werden, mehr noch, es kann “angeschrieben” werden. Das “Kaufen auf Pump” ist eine gängige Praxis innerhalb der Handelskultur einzelner (unterer Mittelklasse) Nachbarschaften. Mit diesem Prinzip werden Beziehungen aufrecht erhalten. Wenn Person X Person Y noch etwas schuldig ist, ist Person X solange an Person Y gebunden bis sie ihre Schuld beglichen hat. Hat sie ihre Schuld beglichen, wächst automatisch das Vertrauensverhältnis zwischen X und Y und Y ist ggf. beim nächsten Einkauf von X bereit ihr noch einen größeren Kauf “auf Pump” zu gewähren. Das Verhältnis wird somit immer reziproker (gegenseitiger). Neben dem informellen Kreditsystem bieten kleine Läden in der Nachbarschaft ihren Kunden auch Hausservice an. Wenn X, die in einem Mehrfamilienhaus im 3. Stock wohnt beispielsweise Brot, Milch und Oliven aus dem nächsten Bakkal (Tante Emma Laden) braucht, ruft sie den Bakkal ihres Vertrauens an, der in der Regel ein Kind oder einen Jugendlichen mit den Bestellungen zum Haus von X schickt. X lässt daraufhin einen Korb an einer Leine mit dem vom Bakkal angeforderten Betrag herunter, das Geld wird entnommen und die Bestellungen werden hinein gelegt – fertig ist der Einkauf.

Obwohl die Art des Einkaufes stark mit der sozialen Klasse der Konsumenten zusammenhängt, ist die Segregation von Klasse, Alter, Gender und Ethnie des Konsums bei Shopping Malls weitest gehend aufgehoben. Je höher die Klasse jedoch, desto eher können die Konsumenten flexibel zwischen unterschiedlichen Einkauf-Settings profitieren. Im Stadtteil Etiler, einem obere Mittelschicht Viertel beispielsweise haben Konsumenten die Wahl zwischen Bakkals in der Nachbarschaft, zwei Shoppingmalls und einem Open-Air-Bazar des Typs Sosyete pazari (High Society Bazar).
In allen Einkaufsräumen jedoch, werden die Kunden wie Könige behandelt. Ob sie auf dem Bazar mit dem Händler pazarlik betreiben, also handeln, ihre Waren ins Haus geliefert bekommen, “auf Pump” kaufen können oder in einer Shopping-Mall beraten werden, das Konsum-Erlebnis in der Türkei ist ein personalisiertes, Vertrauen orientiertes.

Genderorientierter Konsum in der Türkei

Unter bestimmten Berufsgruppen, wie Händlern, Bauern und Besitzern kleiner Läden, ist es üblich, dass die Männer die Einkäufe übernehmen und in der Regel auch die Kontrolle über den Finanzhaushalt der Familie besitzen. In solchen Familien entscheiden die männlichen Oberhäupter was für die Familie oder für Gäste gekocht wird.

Einer türkischen Studie des Sosyal Egitim ve Danismanlik Sirketi zufolge, die in 37 Läden, welche üblicherweise in Shoppingmalls vertreten sind (wie etwa Benneton, Mudo und Bata) ausgeführt wurde, sind 54,7 Prozent der Manager Frauen, die in der Regel sehr Karriere orientiert sind und einer “protestantischen Arbeitsethik” folgen. Manager gaben grundsätzlich an, dass sie keine Frauen einstellen wollen, die Kinder oder Familie haben, da diese nicht in der Lage wären sich an die Arbeitsstunden zu halten und eine 6 bis 7-Tage-Woche zu absolvieren, bei der pro Tag 12 Stunden gearbeitet wird.

Tendenziell besetzen Frauen die Spitze in der “Hierarchie des Geschmacks”, während Männer eher die Spitze in der “Hierarchie des Wohlstandes” bilden.
Während Frauen mit ihren Männern shoppen, haben sie die Möglichkeit finanzielle Entscheidungen mit zu beeinflussen und die Männer stärker in die alltäglichen Aktivitäten und Familienangelegenheiten einzubinden. Das Shopping kann so zu einem Machtinstrument der Frauen über ihre Männer werden. Kann das Shoppen also als ein emanzipatorische Akt begriffen werden?

Das Shoppen und Konsumieren von Produkten und Waren gehört sowohl bei Männern, als auch bei Frauen zu einer Prestige-Aktivität. In Shopping-Malls bekommen Frauen Zugang zum kapitalistischen Markt durch individuelle Erfüllungen anstelle durch Gemeinschaft orientierte, soziale Aktivitäten.
Während sie bestimmte Waren anderen Waren bevorzugen, wählen sie gleichzeitig eine bestimmte Kultur, während sie sich von einer anderen abgrenzen. Sätze wie “Wie widerlich, da steht vielleicht ein Dorfmädchen drauf” drücken Frauen nicht nur ihre Geringschätzung gegenüber einem Produkt, sondern betonen auch ihren Klassen-Status.

Shoppen ist eine Erfahrung, die viele KritikerInnen als passiv begreifen. Tatsächlich kann diese Aktivität aber durchaus auch aktiven Zielen dienen, auch wenn diese nicht unbedingt bewusst gelebt werden.

Dieser Text wurde informiert und inspiriert durch den Artikel “Encounters at the Counter: Gender and the Shopping Experience” von
Ayse Durakbasa und Dilek Cindoglu aus dem Buch: “Fragments of Culture: the everyday of modern Turkey” von Deniz Kandiyoti und Ayse Saktanber (Hg.)

19
Sep
10

Wurst


Wenn ich an meine Grundschulzeit denke, denke ich vor allem an eines: an Wurstbrot essende Kinder. Der fleischige Geruch hängt bis heute in meiner olifaktorischen Erinnerung fest und raubt mir beim Gedanken daran sämtliche Sinne.

Der Horror begann, wenn die Schulglocke zur großen Pause läutete. Dann rissen, die sich wie im Wahn auf ihre Amigo-und Scout Schulranzen stürzenden Kinder, ihre in Alu verpackten Pausenbrote und Bifis aus ihren Plastik-Ranzen. Noch bevor sie Mama’s Proviant auspacken konnten, waberte bereits Lyoner- und Salamigeruch durch das ohnehin schon sauerstoffarme und kaugummi-aromatisierte Zimmer. Um den Wurstbrot essenden und Wurstbrot ausdünstenden Kindern zu entkommen, versuchte ich, bevor sie die Alu-Pakete aus ihren Ranzen fingerten, das Weite zu suchen. Mein Wurstbrot-Eskapismus scheiterte in der Regel aber bereits im Schulflur wo ich mich in einer Masse wurstbrot- und kaugummikauender Kinder-Zombies wiederfand, die sich in einer undefinierbaren Masse Richtung Schulhof quetschten.

Zum Glück haben Grundschulbesuche wie alles andere ein Ende, nur die Wurst…

Hörbares zu Wurst, Kindergruppen besuchende Kinder und Frust

21
Apr
10

YouChange – The machine is us/ing Us – Anthropology 2.0

Wir vergeuden viel zuviel Zeit damit, unsere Studenten zum Auswendiglernen zu bringen. Und hinterher fragen wir diese Informationen in Examen wieder ab! Das muß aufhören!

sagt Micheal Wesch, ein Dozent der kulturellen Anthropologie an der Kansas State University. Wesch belässt es nicht beim Kritisieren. Er ist Pragmatiker. Ein Experiment des Anthropologen besteht darin, dass sich seine Studenten gegenseitig Noten geben. Was für viele Anhänger alternativer Lehrmethoden absurd und nach dem Reproduzieren von Leistungssystemen klingt, hat für Wesch klare Vorzüge:

Sie müssen die Arbeit des anderen wertschätzen. Die Studenten teilen sich viel mehr mit, sie arbeiten härter und genauer. Denn sie müssen, wenn sie eine Note geben sollen, über viele Sachen nachdenken – genau über die Sachen, von denen wir wollen, dass sie sie reflektieren. Die Studenten haben gemerkt, dass sie jeden im Seminar auf ein bestimmtes Niveau bringen müssen. Sonst kapiert der andere Student ihre eigene Arbeit womöglich nicht – und gibt ihnen möglicherweise eine schlechte Note. Jeder muss also in die Lage versetzt werden, den Essay eines Kommilitonen einzuschätzen und zu bewerten.

Geht es nach Wesch, sollen Studenten nicht als Informationsapparate benutzt werden. Ihre Meinungen seien wichtiger wie der Vortrag des Dozenten. Bereits bei den physikalischen Räumen fange das Problem der konventionellen Lehre an, so Wesch. Wissen einfach nur zu vermitteln, sei eine ziemlich primitive Form von dem, was Lernen eigentlich sein kann. Die großen Momente des Lernens entstünden nicht durch Memorieren, sondern durch Transformieren. Das heißt, jeder aktive Prozess des Lernenes gehe mit der Zerstörung von Vorstellungen einher. “Wenn du wirklich etwas Neues lernst, dann musst du die Mauern deiner bisherigen Gedankengebäude einreißen.” Doch Welsch belässt es nicht bei den Gedanken, auch die physikalischen Räume müssten eingerissen werden: “Die Lehrgebäude der Hochschulen und die Klassenzimmer diktieren uns, wie wir Sachen lehren und lernen.”
Lehrer hätten ein grundlegend falschen Ansatz beim Konzept der Lehre, indem sie ständig fragen: Wie kriege ich mein Wissen in deinen Kopf. Laut Wesch “ein Konzept, das Totenstille verursachen kann”. Die Frage ist: Ist nicht auch seine Methode eine Art Wissen in die Köpfe von anderen zu bringen? Handelt es sich hier vielleicht um ein entwicklungspädagogisches Lehr- und Lernkonzept, ähnlich der Hilfe zur Selbsthilfe, in diesem Fall also eine Anleitung zum autodidaktischen Lernen? Ohne Hierarchien zu lehren, bleibt in jedem Fall ein Traum des US-Kulturanthropologen.

Nichts nimmt mir so den Wind aus den Segeln wie der erste Vorlesungstag. Man kommt in den vollen Hörsaal. Man kann sein eigenes Wort kaum verstehen, weil alle miteinander reden und voller Energie sind. Aber plötzlich hat man absolutes Schweigen. In dem Moment, an dem ich ans Pult trete, ist es absolut still. Ich frage mich in dem Moment: Was hat ihre Seelen geholt? Was diszipliniert sie derart, dass ein kleines Männlein wie ich sie verstummen lässt? Wer hat ihnen das angetan? Ich sehne mich nach dem Tag, an dem sie nicht mehr verwirrt sind, wenn ich ans Pult trete. Das wäre großartig.

Eines von Wesch’s Lern-Videos gibt es auf

22
Mar
10

From Dust till Lust till Dawn – Burning Man 2004 – A Personal Encounter


Wir schreiben die letzten Augusttage 2004. Mit ein paar Freunden bin ich das zweite Mal auf dem Weg nach Nevada, Black Rock City, der Stadt, die es nicht gibt. Black Rock City, der Ort des Burning Man Festivals, wird seit zwanzig Jahren jedes Jahr zur viertgrößten Stadt Nevadas. 30.000 Menschen, die ein Woche bleiben um “Burning Man” zu zelebrieren und dann wieder gehen – ohne eine Spur zu hinterlassen. Burning Man ist aber weit mehr als nur ein Festival. Es ist ein Phänomen, eine ökologische Utopie, eine Zusammenkunft selbsterwält-priviligierter Outcasts, ein Avantgarde-Fest des radikalen Selbst-Ausdrucks, alternativem Sex-Tourismus, ein non-kommerzieller Ausnahmezustand und Potlatch-Kultur in einem. Es ist ein Ort, der geschaffen wurde um im Nichts zu verschwinden.

Black Rock City liegt mitten in der Salzwüste Nevadas, 150 Kilometer von der Casino-Stadt Reno gelegen und gleich hinter Gerlach. Der kleine Wüstenort entstand aus einer kleinen, ehemals deutschen Siedlung. Heute sieht es in Gerlach aus wie in einem zeitlosen, US-amerikanischen Roadmovie: verwehte Häuser, in dessen sandigen “Vorgärten” Alte mit zu Berge stehenden Haaren auf quietschenden Schaukelstühlen wippen; an den Straßenrändern ragen alte Automobil-Skelette aus dem Sand wie in die Erde eingeschlagene Meteoriten. Öffentliche Plätze, die die Wüstenbewohner – oder besucher mit der Außenwelt verbinden sind eine rostige Tankstellen-Anlage und eine Telephonzelle. Dort sind wir jetzt angekommen. Ein Mann in einem silbernen Metallkostüm und einem Spike-Helm steht in der Kabine und telefoniert. Die Szenerie original wie die eines Science-Fiction Film. Und zwar eines ganz bestimmten: Mad Max und die Telefonhäuschen-Teleportation.

Nach unserer Wegbeschreibung biegen wir nach dem nächsten Busch rechts ab und sehen eine ewig weite Wüstenlandschaft, an dessen Horizont sich Bergketten wie Tigertazzen krümmen. Dazwischen, ein staubiges Meer und eine flimmernde, konturlose Zelt-Stadt. Es könnte auch eine Fata Morgana sein. Über der Szenerie gleiten Fallschirmspringer auf die Stadt zu. Auch das eine der vielen Wege, die nach Black Rock City führen.



Am Eingangportal begrüsst uns eine Meerjungfrau und eine wandelnde Dusche. Höflich werden wir gefragt ob wir noch Burner-Jungfrauen sind. “No, my fair lady, we’ve been here before”. Wir werden aufgefordert aus dem Auto zu steigen, so laut wir können eine Begrüßung in die Stadt zu rufen und im Anschluß das Geräusch einer Klospülung zu imitieren. Neben der Dusche nämlich steht eine Toilettenschüssel mit imaginärer Spülung, deren Aktivierung den Ungeduldigen Einlass gewährt. Und dann sind wir drinnen. In der Playa. So wird der weiße Salz-Wüstenboden genannt, der so hart ist wie festgetretener Lehm ist und doch noch soviel weißen Staub aufwirbelt, dass er sich in Haare und Poren festsetzt und alle Burner wie skurrile Nachfahren von Einstein aussehen lässt. Normale PKWs dürfen auf der Playa nicht fahren. An ihrer Stelle bewegen sich fahrende Schiffe, selbst gebaute Roboter-Kutschen, überdimensionale Cadillacs und wandernde Kraken. Mit fünf Meilen pro Stunde cruisen die art cars 24 Stunden am Tag durch die Playa. Dort tönen uns Welcome-Rufe entgegen. Neu-Ankömmlinge werden sofort entlarvt, wegen ihrer staublosen Haare, ihrer reinen Haut.

Unser Camp in dem rund ein Dutzend Burner leben, heisst Bob’s Rainforest und bietet staubfeine Wasserssprenkler für die Vorbeikommenden. Langsam kommen wir an, begrüssen unseren Nachbarn, der bereits einen Tausch-Flohmarkt installiert hat, trinken, rauchen, bauen auf, begrünen unseren Regenwald mit künstlichen Grünpflanzen. Aus unserem Kofferraum und dem Truck, mit dem Freunde das größere Gepäck von Kalifornien nach Nevada gefahren haben, packen wir aus: für jeden mindestens 50 Gallonen Wasser (pro Tag werden, um der Dehydrierung in der trockenen Hitze der Wüste vorzubeugen, 5 Liter Trinkwasser empfohlen) , Schattenspender, Planen, Kisten voller (Astronauten-)Nahrung, Fahrräder und andere fahrbare Untersetzer, eine selbst gebastelte Couch, Holz, Seile, Schlafsäcke, Gasflaschen, einen Generator, Zelte, jede Menge alter Klamotten, Kostüme, eine Solardusche und Geschenke, Geschenke, Geschenke.

Gaben-Ökonomie

In Black Rock City kann man nicht mit Geld bezahlen. Die Playa-Währung besteht aus Wasser, Geschenken, Geschichten, Performances, Kunst, Kondomen, Lippenbalsam, Massagen, Rezepten, Schminke, Essen etc. Die Geldwirtschaft ist durch eine Tauschwirtschaft aufgehoben. Gibt man, muss man nicht unbedigt nehmen. Das heisst eine Gabe erfordert nicht unbedingt eine Gegen-Gabe. Unzählige Male boten mir Menschen Fußbäder, Essen, Lieder, Kondome und Geschichten an. Andere Male wiederum, besonders wenn es sich um etwas handelte, dass ich gleich haben wollte, so wie diese eisgekühlte Bloody Mary, die es an einer Wüsten-Bar gab, auf deren Dach gerade eine Band spielte, wurde ich zu gleichzeitiger Gegenaktion aufgefordert. Was in diesem Fall lediglich darin bestand ein rotes Kleidungsstück vorzuweisen. Ein andermal als mir eine Drag Queen den geplatzten Schlauch meines Fahrrads flickt, schminke ich sie im Gegenzug. Für ein paar Bögen weißes Papier, tanze ich im Postamt kurz darauf eine polnische Polka. Eine Währung, mit der ich auf der Playa häufig bezahle. Der französische Soziologe Bordieu nennt diese Währung auch kulturelles oder symbolisches Kapital.

Ein anderer Franzose mit dem Namen Marcel Mauss hat das Prinzip des Gaben-Tausches anhand mehrerer nicht-induustrieller Gesellschaften soziologisch und ethnologisch erforscht. Für Mauss ist der Austausch von Gaben ein “System der totalen Leistung”, da es für ihn totale gesellschaftliche Aktivitäten der Reziprozität artikuliert, ein gleichzeitig ökonomisches, juristisches, moralisches, ästhetisches, religiöses, mythologisches und sozio-morphologisches Phänomen. Mauss’ Gaben-System unterliegt dabei einer obligatorischen Dreierverpflichtung: wer gibt, muss nehmen und wer nimmt muss erwidern. Eine Bewegung, die laut Mauss, eine Frieden und Gemeinschaft stiftende Wirkung besitzt. Auch wenn diese Dreierverpflichtung bei Burning Man nicht immer Bestand hat und oft viel laxer gehandhabt wird, macht sie auch für die Playa Sinn. Besonders dort, wo sich institutionsähnliche Bereiche wie das Volunteering für das Post Office oder die Pflege, Transport und Installation von Öllampen usw. entwickelt haben. Dort arbeiten Individuen ohne etwas dafür zu verlangen. Sie arbeiten dort, weil sie geben wollen. Weil sie niemand dazu zwingt. Statt Agressionen und Hierarchien setzen sie gute Energie frei und werden dafür gefeiert. Die Anerkennung der Leute, macht sie gewissermaßen zu Privilegierten.

Potlatch Kultur

Hinter der Ökonomie des Schenkens steckt eine Philosophie, die in einer der zehn Principles von Burning Man festgehalten ist: “In order to preserve the spirit of gifting, our community seeks to create social environments that are unmediated by commercial sponsorships, transactions, or advertising. We stand ready to protect our culture from such exploitation. We resist the substitution of consumption for participatory experience.”
Larry Harvey, der Gründer Burning Mans, hat die Kunst der Gabe in einem Radiointerview (siehe unten) einmal so beschrieben: “Gifting is not about being good, or being altruistic. I don’t even believe in altruism. But about something in you that has to be shared with somebody. Why making gifts? Because for greater acess to being. When we give, we become real. Our appetite makes us real.”
Burning Man ist Verschwendung, Freigabe, Freisetzung von Energie. Kulturelle Produkte wie Kunstwerke, Tempel, Installationen, Möbel werden gebaut und wieder zerstört. Akkumuliert wird, um den Ballast zu zerstören, zu ent-sorgen. Es geht um Verschwendung. Ein Experte für die Idee der Verschwendung ist der französische Philosoph und Ethnologe Georges Bataille. In seiner “Aufhebung der Ökonomie” hat er einmal gesagt: „Die Verschwendung ist vernünftig nicht zu rechtfertigen, darum ist sie verpönt, und doch ist sie dringend erforderlich, nicht nur um das Verlangen nach Exzess und Erregung zu befriedigen und so die Gemeinschaft stabil zu halten, sondern mehr noch, weil der Reichtum Schaden anrichtet, wenn er gehortet wird.“

Auf der Playa wird vieles gelebt, was Bataille in der Theorie erörtert. Eine seiner Theorien besagt, dass wir einerseits etwas verschenken, verlieren oder vernichten müssen. Das Geschenk aber sei unsinnig (und wir würden uns nie dazu entschließen), wenn es nicht die Bedeutung eines Erwerbs hätte. Schenken hieße also, eine Macht erwerben. Aber eine Macht, die aus dem Verzicht auf eine Macht besteht, könne nicht für sich allein erworben werden: Wenn es den Gegenstand einsam und in aller Stille vernichtete, so wüchse ihm daraus keinerlei Macht zu, das wäre nur eine Aufgabe von Macht ohne Entschädigung. Wenn es aber einen Gegenstand in Anwesenheit eines anderen vernichtet oder verschenkt, so hat der, der ihn hingibt, für den anderen effektiv die Macht, zu verschenken oder zu vernichten. Die Tatsache keine Verpflichtung zu haben Geschenke zu erwidern, verbindet einen logischerweise stärker mit seiner Umwelt, als die Verpflichtung Güter mit Gleichwertigem wie beispielsweise eine Zahnpasta im Drogeriemarkt zu kaufen. Tatsächlich trägt die Wirtschaftsweise auf der Playa von Black Rock City zu einem konstanten Kontakt mit der sozialen Umgebung bei. Konsum wird durch Anschluss ersetzt. Kaufen durch Treffen. Und ganz nebenbei kreiert die Community Black Rock Citys dabei Kultur aus Fremden. Vielleicht ein Grund, weshalb für mich Burning Man immer einen erlebnis-pädagogischen, wenn auch sehr experimentellen Beigeschmack hatte. Ein Gesellschaftsexperiment, ein Abenteuer-Spielplatz mit gesellschafts- und konsumkritischen Impetus, einer zirkulären Tauschwirtschaft und der Lust zur Verschwendung.


Der Homo Verschwendicus und die Konsum-Kritik

Die Bewohner von Black Rock City haben Durst, nicht nur weil tagsüber die Temperaturen oft 50 Grad übersteigen. Ihre Kehle ist trocken vor der Langeweile, die der Massenkonsum in ihnen erzeugt, ihnen dürstet nach Alternativen, nach einem Leben, das dem grenzenlosen Kommerz einen filigran tätowierten Stinkefinger in einer grenzenlosen Wüstenlandschaft entgegenhält. Statt mit den finanzorientierten Kapitalsorten, hantieren die Burner in der Stadt ihrer Wahl angekommen lieber mit symbolischen und sozialem Kapital, mit Kreativität, Ideen und Kultur. Um die Freiheit zu bekommen, die die Weite der Wüstenlanschaft verspricht, nehmen sie eine staubige Kehle in Kauf und löhnen eine nicht unerhebliche Summe für den Eintritt in die Welt, in der das Wort “unmöglich” aufgehört hat zu existieren. Das ist schön, aber insofern ambivalent, als dass es sich Menschen mit einer löchrigen Geldbörse kaum leisten können, die teuren Eintrittskarten zu kaufen und die nötigen (Überlebens-)Utensilien mit Pick-Ups und Trucks oder gar Flugzeugen mit in die Wüste zu kutschieren. Auch Kaffee und Eis zum Kühlen kann auf der Playa durch bares Geld erworben werden. Umstände, die Larry Harvey, der Initiator Burning Mans damit begründet, dass sie nötig seien, um die Realisation des Events zu gewährleisten.
Aber im Grunde genommen wird natürlich auch auf der Playa konsumiert was das Zeug hält, angefangen bei dem Energieraufwand, der nötig ist für eine Woche eine Stadt mit beispielsweise Strom für elektrisch abgenommene Musik, Kühltruhen und Licht zu versorgen, bis hin zu allerlei psychoaktiven Substanzen. Wer gedacht hat die Kritik am Homo Öconomicus generiert eine weniger verausgabende Konsumkultur, wird auf der Playa enttäuscht werden. Dafür wird dort wird der Homo Öconomicus zu Burning Man transformiert, zum Homo Verschwendicus.


Critical Titts und Sex on the Playa

Liebe und Sex gibt es auf der Playa überall. Nach dem Prinzip “Verschwende deine Lust”, kommt hier jeder Liebesbedürftige auf seine Kosten. Ob in Form von tanzend korpulierenden Hippies im Center Camp, Liebe machenden Menschen auf dem Wüstenboden, dem plüschigen Pussy Cat Tent, in dem Sex visuell und praktisch erlebt wird, SM-Camps oder einfach nur intimen, flüchtigen Bekanntschaften. Burning Man ist ein Ort an dem freie Sexualität nicht propagiert, sondern gelebt wird. Es gibt Camps, die aus dem Begehren eine Wissenschaft machen, ein Spiel für Forscher und Beforschte. Experimentierfreude und sexuelle Befreiung zählt. Ein unangenehmer Nebenaspekt sind so genannte Playa-Touristen, die in ihrem voll ausgestatten Caravan und Bermuda-Shorts nach Black Rock City kommen, in der Hoffnung eine paar heiße Flirts abzubekommen. Ein umso angenehmeres Happening ist die Critical Titts Parade. Einmal in dieser Woche fahren Tausende barbüsiger Frauen auf ihren Fahrrädern durch die Stadt und zelebrieren das Frau-Sein für sich in der Öffentlichkeit.

The Thunderdome

Anarchie hat ihre Regeln. Im Thunderdome, dem Schauplatz des Kampfes entscheidet die Death Guilde. Große, geschminkte Männer in schwarzer Lederkluft, Nieten und schweren Boots treten in den Ring. Sich ihrer mächtigen Schritte bewußt, verbreiten sie die Aura von letzten Schiedsrichtern. Ich hänge irgendwo an der Kuppel des stählernen Gestänges. Hier ist jeder Platz ein Logenplatz. Die Gäste, die dem Kampf beiwohnen und neben, über und unter mir in die Arena starren, bilden eine Menschenteppich, der sich schützend über die Arena legt. Ich beobachte die Deathguilde in Zeitlupe. Es ist still um mich. Nur der feine, von den Schritten der Deathguild aufgewirbelte Staub der Playa schwirrt durch die Luft. Die Ketten an den Stiefeln der Deathguild klirrt. Stimmlos tauschen sie Worte aus. Dann werden die zwei Kontrahenten eingelassen und bis zu Beginn des Kampfes von der Death Guilde an jeweils zwei elastischen Seilen zurückgehalten, die an den Dachstreben befestigt sind. Die Konstruktion sieht aus wie eine Baby-Laufschaukel, nur ohne Sitz. Kampfeslust liegt in der Luft. Jeweils zwei Death Guilder flankieren die selbst ernannten Krieger der Postmoderne. Beide Kontrahenten haben Knüppel in der Hand. Die Wahl ihrer Waffen oder, ob sie überhaupt welche verwenden, ist ihnen überlassen. Die Death Guilde mischt sich in solche irdischen Belange nicht ein. Vielleicht haben sie keine Sympathie für die, die sich überschätzen oder die, die sich unterschätzen, aber es gehört nicht zu ihrer Aufgabe die Last dieser menschlichen Entscheidungen zu tragen. Diese Handlungsweise verleiht ihnen eine gewisse Überlegenheit. Geradezu, als würden sie über den Dingen stehen.

Die Kontrahenten hätten genauso gut Gitarren nehmen können oder Wasserpistolen. Aber diesmal werden Knüppel herhalten. Die Waffe des einen sieht aus wie eine MacLite. Das Publikum wird wacher. Angesteckt von der freigesetzten Energie der Kontrahenten, der Spannung, fangen sie an zu brüllen, rütteln am Gestänge. Die Kontrahenten wirken jetzt wie eingesperrte Tiere in einem Käfig. Kurz bevor die Situation ins Unerträgliche steigt, erscheint ein gefallener Engel in der Mitte der Arena. Das Geschlecht dieses Wesens ist nicht eindeutig bestimmbar, aber sehr feminin. Lange schwarze Haare fallen über die freien Schultern. Der Engel trägt einen kurzen, zerfetzten Lederrock, schwere Stiefel und schwingt einen Stab mit einem schwarzen Tuch. Die Bewegungen seines Instruments, sind elegant und leicht. Ihre Leichtigkeit dominiert die Schwere der Szene. Wie wenn der Blick während des Orchester-Spiels auf dem Dirigenten haftet. Mit einer letzten grazilen Verbeugung, bei der der Engel seinen Stab von hinten nach vorne in die Mitte der Kontrahenten schwingt und die Erde berührt, ist der Kampf eröffnet. Das Publikum brüllt, die Opponenten auch. Ich fühle mich wie der Augenzeuge eines Fight Clubs, Beobachter eines neu interpretierten Lucha Libre. Wie auf Affenschaukeln schwingen die Kämpfer aufeinanderzu, prallen aneinander, treffen den anderen mit ihrer Waffe aber nur selten. Es ist heiß in der Arena und das ist nicht nur die Sonne, die auf uns niederbrennt. Die freigesetzte Energie treibt uns Schweiß und Staub in die Augen.



Der Tempel-Burn

Die Lust an der Verschwendung hat bei Burning Man nicht nur einen ökonomischen, sondern auch einen philosophischen und spirtuellen Aspekt: Tod und Wiedergeburt, existentielle Momente, die unser Leben so sehr prägen wie nichts anderes. Momente, die uns daran erinnern, dass das Leben eine Art Zwischenzustand ist, liminal, wie es der Ethnooge Victor Turner im Rahmen seiner Ritual-Theorie ausdrückte. Das Leben als ewig Vergängliches: Der Mensch, der lebt und stirbt, schafft und zerstört. Das Symbol auf der Playa für diesen Schwellenzustand, das Transzendentale, ist der Tempel. Er ist Transitor, temporäres Zentrum nahestender Verstorbener. Das architektonische Meisterstück wird jedes Jahr neu entworfen und wochenlang in akribischer Kleinstarbeit gebaut. Während der Woche wird er von vielen besucht, die Erinnerungen zurücklassen wollen, Tote beklagen, Wünsche an ihre Götter oder das Universum schicken. Das Holz im Innern wird im Laufe der Woche beinahe vollständig beschrieben, überall hängen Bilder meistens mit Bildnissen von Verstorbenen. Dann, am letzten Tag, dem Sonntag, einem Tag nach der großen Party, der Verbrennung des Man, fällt auch der Tempel einem beabsichtigten Brand zum Opfer. Wenn der Tempel brennt, knackt und quietscht das Holz. Als ob der Tränenpalast weint. Die Luft fiebert. Sie ist schwer, beladen mit Vergangenheit. Und es scheint als ob viele Burner gekommen sind um dieser Last Erleichterung zu verschaffen. Ihr Herz brennt und reinigt sich dabei. Beim Temple Burn 2002 tanzten zuerst zwei und dann insgesamt fünf Dust Devils (dt: Windhosen, Staubwirbel) durch und um den brennenden Tempel. Ein verrücktes, imposanteste Spiel der Natur mit der Kultur bei dem vielen, die drum herum standen die Münder offen standen. Ein Moment, den Patti Smith in “Spell” besungen hat: “Holy time in eternity holy eternity in time holy the clocks in space holy the fourth dimension holy the fifth International holy the Angel in Moloch! Holy the sea holy the desert holy the railroad holy the locomotive holy the visions holy the hallucinations! Holy the miracles holy the eyeball holy the abyss!”


Heilig ist für die Macher von Burning Man die Natur. Deshalb besagt eines der zehn Principles keine Spuren zu hinterlassen. Wer geht, darf kein Haar, keine Nußschale, nichts hinterlassen. Auch Brandspuren werden entfernt. Black Rock City soll wieder Tabula Rasa werden. Trotzdem machen sich noch manche Burner die Mühe tiefe Löcher aus dem harten Wüstenboden auszuheben um dort ihren Müll zu deponieren. Ökologische Fau-Pax um die sich dann die Burning-Man-Crew kümmert, die Jungs und Mädels die das Festival Monate vor dem eigentlichen Event aufbauen und Monate danach mit der entgültigen Auflösung der Stadt beschäftigt sind, deren Haut nach Monaten der Vor- und Nachbereitung wie Leder wird die Blicke so stechend wie Wüstensonne. Die ökologischen Fußabtritte, die Burner durch den Transport von Menschen und Gegenständen, Verbrennungen von Kunst etc. verursachen, stehen in keinem Verhältnis zu der hochgepriesenen ökologischen Ethik. Oder wie passt der Burning Man Airport nahe der Playa in dieses Denken?

Twisted Minds

Burning Man verkörpert die Schizophrenie einer Gesellschaft, die nach integrativen, alternativen Lebensmodellen sucht und sie nur in der Isolation der Mehrheitsgesellschaft findet, in der Wüste, weit ab von den Metropolen. Widersprüchlichkeiten gibt es bei Burning Man soviele wie Staub auf der Playa. Ein Burner beschrieb seine ambivalente Haltung zu dem Event deshalb so: “You love it and hate it at the same time.” Ein(e) bloggende(r) Burner(in) geht noch weiter und betrachtet die Teilnahme an Burning Man als eine Erhöhung ihres Status: “Burning Man ist ein Mythos, Dabeisein ein Privileg” Trotzdem, die offene, libertäre, geldlose Gesellschaft, die die Burner kreieren, ist in seiner Größe, wenn auch nur temporär, beeindruckend und beispiellos. Für einen Teilnehmer des Gesellschaftsexperiments ist Burning Man sogar “the ’60s done right.”

Burning Man kommt aus dem Nichts, verschwindet ins Nichts, aber fördert Alles zutage: ein Theaterstück in acht Tages-Akten, ein riesiges Tausch-und Schenkritual, das Spiel-mir-das-Lied vom-Tod und Ich-zeig-Dir-den-Rest-deines-Lebens, eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, eine Freak-Show von Ex- und Introvertierten, die Potlatch-Performance einer modernen Gesellschaft, eine Reise in die Tiefen menschlicher Unvernunft, materialisiertes Traumgewebe, zur Schau getragene Kunst, gelebte Science- und Love Fiction, aber es ist vor allem eine tragisch-komische Ode an das was unser Leben wie nichts anderes bestimmt: Tod und Wiedergeburt. Larry Harvey, der Gründer sagte einmal: “Burning Man is not about making the world better but make the world more real”.

Mehr Infos auch zu Tickets und zum unablässlichen Survival Guide auf der Burning Man Homepage und Burning blog.

Hier ein Interview mit Larry Harvey, dem Gründer Burning Mans über die Ökonomie des Schenkens.

Ein Video, in dem der Künstler in einer time elapse Burning Man 2009 eingefangen hat, gibts hier

Tausende von genialen Bilder von Burning Man hier.

02
Jan
10

Hello Kitty – Products of a Horror Show

After I recently reported about the new Hello Kitty fragrance for babies that was promoted by Douglas TV, here some more unbelievables about the succesful trademark that might soon come up with its own church soon. Let the show begin:


At the world’s first Hello Kitty-themed maternity hospital in Yuanlin, Taiwan, patients will be bombarded with images of the mouthless cat stamped onto everything from nurses to birth certificates. The Huasheng clinic was built in 2006 with a capacity of 30 beds, and its Kitty theme has been officially approved by Sanrio. Hospital director Tsai Tsung-chi told Reuters his reasoning behind this madness: “I wish that everyone who comes here, mothers who suffer while giving birth and children who suffer from an illness, can get medical care while seeing these kitties and bring a smile to their faces, helping forget about discomfort and recover faster.”
See more @ tokyomango. As Emily Co writes there, recovering probably means not only swallowing pain killers but to “relieve themselves with the hallucinatory effects elicited from Hello Kitty overload”. I personally hope women keep on delivering babies there not Hello Kitties.


I guess the Hello Kitty hospital in Taiwan could use this too. In case they have to explain to Hello Kitty sensibilized parents what will happen to the organs of their babies if they do not start to rescue them from this lovely institution soon. Even if you have never cared less, now you know that Hello Kitties do not only have organs but their organs have even eyes and mouth etc. Hopefully this is not going to be used for anatomy lessons in high schools. (via thatgirlsite)


If the baby gets out of the Hello Kitty hospital, Hello Kitty sensibilized parents as well take care that their child is going to be educated in basic IT knowlege by this brilliant Hello Kitty-branded PC recently released by Korean PC maker Moneual. (via crunchgear)


Later in life the Hello Kitty faux-iPod encrusted with Swarovski crystals for around 150$ might be suitable to keep on belonging to the Hello Kitty sphere that has been found on news on japan.


While somehow handling the arty faux-iPod, you can get more Hello Kitty credits on your Hello Kitty Karma account if you also apply the nail art from the Tokyo Nail Expo. (via jezebel)


And believe it or not, you can even save the world with Hello Kitty that has now even been adopted by environmental activsts for charging solar energy. (via product page in Japanese)


The neverending possibilities of Hello Kitty marketing that tries to reach every impossible target groups. On gizmodiva, a site that provides information about recently invented cultural products from Japan, the Hello Kitty beer is advertised like that: “You know that you can never get the men in your life to appreciate Hello Kitty and you have probably given up on these efforts that are bound to be futile. But here comes the Hello Kitty Beer. We know that there isn’t a better way to make your way into a man’s heart than through his beer mug and this pretty kitty seems to know that. It’s Becks beer that has gone down this cute path and provided us with Hello Kitty Beer.” God safe the brain and your liver!


The ones who have sucessfully been converted do not hesitate any longer to stand not only behind but inside a Hello Kitty biker outfit. But where is his Hello Kitty cruising robot ehm motorbike?


However, the game stopped to be funny here. Since what you see here is not cute, fake and innocent any longer but a real gun. The customized insanity is the topic of a CNN video on youtube. Pink, the new deadly colour?


The exclusive Hello Kitty war show must go on: This Hello Kitty Stormtrooper fig-mod was spotted at this year’s ComicCon. The enmies of this cutiedudie probably die of ultra-cute&dumb attacks.
Via boingboing


From now on you will see the world with different eyes………Hello Kitty might even safe your poor soul, not only in this life……




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