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Scheinheilige Meinungsfreiheit – ein Kommentar

Demonstration gegen "Innocence of Muslims" in London am 6.10.12, Foto: Rob Pinney, www.demotix.com

Demonstration gegen “Innocence of Muslims” in London am 6.10.12, Foto: Rob Pinney, http://www.demotix.com

Zumindest medial scheinen Muslime in den westlichen Medienkanon integriert. Bieten sie doch permanenten Diskussions- und Zündstoff für immer noch mehr islamophobe Diskurse. Nach den Mohammed-Karikaturen der dänischen Jylland Posten von 2006, sorgte dieses Jahr “Innocence of Muslims”für tödliche Schlagzeilen. Medien sprachen von 80 Todesopfern weltweit, die der Film und seine Verbreitung ausgelöst haben sollen. Afghanistan, Ägypte, Libyien, Indonesien, Saudi Arabien, Malaysia, Indien and Singapore blockten den Youtube-Link zum Film. Auch das bringt Meinungsfreiheit mit sich: Abschaltung der Meinungsfreiheit.

Die Meinungsfreiheit ist zum “Allahu akbar” des Westens geworden. “Das wird man doch noch sagen dürfen” beeilen sich Rechtfertiger á la Sarrazin zu sagen, wenn sie einmal wieder Öl ins Feuer der strenggläubigen Muslime gegossen haben. Tatsächlich kann man vieles sagen und meinen. Schlimm genug, dass dafür ein Recht geschaffen werden musste. Aber bedeutet Rechte zu haben, auch jederzeit davon Gebrauch machen zu müssen? Bedeutet Meinungsfreiheit andere solange mit der eigenen Meinung zu penetrieren, bis sie Gewalt anwenden? Kann man dann überhaupt noch von Meinung sprechen? Und wer hat hier überhaupt das Recht auf freie Meinungsäußerung?

Die westliche Presse und das Internet ist mit seinen Unternehmensgruppen selbst Teil einer öffentlichen Meinungsmonopolisierung. Wenn es um Muslime geht, die ihren Glauben verletzt sehen, wird sich im Westen gern auf die Meinungsfreiheit berufen. So geschehen bei den Nachdrucken der Mohammed-Karikaturen der dänischen Jylland-Posten in deutschen Tageszeitungen. Damals schrieb der Presserat, nachdem “Die Welt” die Karikaturen erneut abgedruckt hatte,  dass durch die Veröffentlichungen “weder die Religionsgemeinschaft noch deren Mitglieder geschmäht oder herabgesetzt” würden. Zu diesem Zeitpunkt waren schon über 150 Menschen bei Auschreitungen ums Leben gekommen. Sie fühlten sich in ihrer Ehre verletzt.

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Diese Gefühlsregung ist auch dem aufgeklärten christlichen Abendland nicht fremd. Das gibt auch der Presserat zu, der die Titanic unlängst dafür rügte, dass sie den Pontifex mit befleckter Soutane auf ihrem Cover abdruckte. Ein Fleck auf einem Kleidungsstück – das offizielle Ende der Toleranzgrenze für Meinungsfreiheit im Westen? “Was dem Deutschen heilig ist, erkennt man daran was er nicht darf,” schrieb ein Blogger daraufhin. Während man sich über Christen nicht lustig machen darf, verbreiten westliche Medien fleißig anti-muslimische Inhalte.

Wenn wir über Freiheit schreiben, müssen wir auch von Verantwortung schreiben, denn beide bedingen einander. Handeln kann nicht frei von Verantwortung sein. Auf Kosten der anderen werden Europäer und Nordamerikaner ihre Haut nicht retten. Moralische Ansprüche dürfen nicht nur gefordert, sondern müssen auch auf uns selbst angewandt werden. Das heißt: Eine gleiche Behandlung für alle Gläubigen. Oder wie war das nochmal mit der Demokratie?

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4 Responses to “Scheinheilige Meinungsfreiheit – ein Kommentar”


  1. January 6, 2014 at 11:56 am

    Ich kann den Ausführungen zum Thema Meinungsfreiheit nur zustimmen. Es ist schön, das Recht auf freie Meinungsäußerung zu haben, aber das bedeutet noch längst nicht, dass man dies in allen Fällen nutzen muss, in denen religiöse Gefühle verletzt werden, zumal dies oft nur aus dem Antrieb der gesteigerten Auflage heraus geschieht. Und dabei spielt es keine Rolle, welche religiöse Gruppe beleidigt wird. Meiner Meinung nach gehören weder die Mohammed-Karikaturen veröffentlicht, noch das satirische Bild des Papstes auf dem Cover der Titanic. Warum der Presserat Anstoß an der Veröffentlichung in der Titanic nimmt, aber nicht auch an den Mohammed-Karikaturen ist mir unverständlich.

  2. April 5, 2014 at 5:58 pm

    Wie sind die 150 Personen genau umgekommen? Ich habe probiert das zu suchen im Internet, aber ich finde es nicht.

  3. April 12, 2014 at 10:29 am

    Und in Arabischen Ländern? Wieviele Karikaturen über Israel werden da gemacht, die oft auch noch sehr anti-semitisch sind? Oder was für Toleranz wird religiösen Minderheiten in Arabischen Ländern gegeben?


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