09
Dec
09

Japan – Schöne virtuelle Welt

© hideaki kawashima | soak, 2004 | courtesy tomio koyama gallery, tokyo
Japan gilt als globaler Führer im Bereich High-Tech und Virtualität. Künstlich geschaffene Welten, wie Felsengärten, Karpfen-Tümpel, Waserfällen, kleinen auf Steinpfaden angebrachten Schreinen und Bonsai-Anlagen nehmen Elemente aus der Natur auf und gestalten sie zu Objekten visueller und spiritueller Refugien. C., eine Freundin, die unlängst zwei Monate durch Japan reiste, berichtete aus Tokyo: “Für Erholung sorgen kann auch einer der künstlich angelegten natürlichen Parks. Allerdings scheinen sich auch hier die Lungen nicht von der klimatisierten Abgasluft Tokyos erholen zu können, die Japaner tragen weißen Mundschutz zur Entspannung im Park. Hightech hat eben seinen Preis.”

Shukkien Garden | Hieroshima | Foto: interzone.com

Shukkien Garden | Hieroshima | Foto: interzone.com


Edward T. Hall schreibt in “The dance of life” über den traditionellen japanischen Garten: Er hat in der Regel Stufen, die so arrangiert sind, das man stehenbleibt, herunterschaut, dann wieder nach oben schaut und so bei jeder Stufe eine andere Perspektive einnimmt.

Japan, schöne neue Welt. Du gabst uns den ersten Anrufbeantworter, der uns den Zustand permanentem Zu-Hause-Seins erlaubte. Und dein Sony Walkman half uns auf Knopfdruck die Konzerthallen und Musikstudios unseres Geistes zu erleben und unsere physikalische Umgebung auszuschalten. Und dann, das Tamagotchi, geliebtes virtuelles Haustier, das mobile, immerpräsente Wesen, das wir fütterten und mittels anthropomorpher Liebe pflegten.

Tokio | Roboter wirbt für die Olympiade 2016 | Foto: AP

William Gibson, seines Zeichens Schriftsteller, und einer der ersten westlicher Autoren, der das Gesicht des 21. Jahrhunderts in Japan zu erkennen glaubte, sagte einmal: “Wenn du glaubst, so wie ich das tue, dass aller Wandel im Grunde genommen Technologie gesteuert ist, schenkt man Japan eine Menge Beachtung.” Um zu verstehen, warum in Japan Virtualität gross geschrieben wird, reicht es sich mit Menschen zu unterhalten, die bereits in Japan waren. Wenn man fragt wie sie japanische Kultur erlebt haben, wird oft voller Verwunderung von der geordneten, symetrischen Lautlosigkeit der Japaner berichtet. C. berichtete aus Tokyo`s Untergrund: “An den Bahnsteigen der Metro sind die Stellen, an denen die Türen sein werden, wenn die Metro hält, markiert. Die Menschen hier strömen zu Tausenden in die Metroschächte, auf die Bahnsteige und reihen sich umgehend in symmetrischen Zweierreihen entlang dieser Markierungen auf. Es gibt kein Gedrängel, sondern geordnetes Ein- und Aussteigen.” Und weiter: “Die Modells auf Plakaten wirken durch ihre Symmetrie, Ebenmaessigkeit und Glattheit so unnahbar und weit entfernt, dass sie nicht von dieser Welt zu sein scheinen.”

Foto: www.drinkable.com

Mädchen in der Metro | Foto: www.drinkable.com

Edward T. Hall schreibt über die Entstehung japanischer Haltestellen: Die Strecke von Kyoto nach Tokyo umfasst 53 Stationen. Jeder einzelne Halt wurde ausgewählt, weil er dem Reisenden ein besonders schönes Panorama versprach oder den Blick auf ein besonderes Charakteristikum der Landschaft freigab.

Foto: www.drinkable.com
Das Stumme whoosh der Metro wird einzig durch die Klicks, Beep-und Klingeltöne der mobilen Geräte der Passagiere unterbrochen. Mit Ausnahme von gehauchten “sumimasem”, oder “excuse me” mit denen Passagiere um Platz ringen, sagt niemand ein Wort. Direktheit wird unter allen Umständen vermeidet, dazu gehört auch Augenkontakt, der als schiere Anmaßung betrachtet wird. Aus der westlich genormten Perspektive eines Europäers wird Privatheit hier mitten im öffentlichen Leben zum Zwang. Den digitalen Medien kommt dabei die Rolle einer nachhaltigen Unterstützung dieser Privatssphäre zu. Digitale Aura als virtueller Schutzraum?

Hochtechnologisierten Schutz gibt es nicht zuletzt auch auf dem stillen Örtchen. C. schreibt dazu: “Das faszinierendste Hightech-Phänomen war bisher ein Gang auf die öffentliche Toilette im U-Bahn-Getümmel. Die Klobrillen sind beheizt und auf Knopfdruck werden kleine Wasserdüsen ausgefahren, um den Hintern zu Waschen. Der nächste Knopfdruck lässt einen Fön aus der Kanalisation erscheinen, der das ganze wieder trocknet. Der Nachteil dieser gut durchdachten Erfindung liegt mal wieder in der Unwissenheit- denn die Bedienungsknöpfe befinden sich auf Armlehnenhöhe, so dass es leicht passieren kann, dass man ausversehen einen Knopf betätigt, vor Schreck aufspringt, das Wasser weiter spritzt, man gar nicht weiss wie einem geschieht. Bis man sich seiner Lage bewusst geworden ist, ist die Toilettenkabine trotz Hightech nass, sowie man selber. Leider gibt es keinen Fön, der auf Knopfdruck erscheint und das Dilemma trocknet.”

Privat bleibt privat, auch im Netz. Wie eine AP Studie aus dem letzten Jahr aufzeigte, enthüllen Japaner nichts im Netz über ihr echtes Privatleben – geschweige denn geben ihre Identität preis. Japaner surfen und kommunizieren im Netz mit erfundenen Namen, falschen Altersangaben und fiktiven Adressen um Privatssphäre und Anonymität zu wahren, ein Faktor, der in einer Gesellschaft wo aus der Masse herauszustechen und die Aufmerksamkeit auf sich selbst zu lenken, noch immer missgebilligt wird, was durch das japanische Sprichwort deru kugi-wa utareru (Der Nagel, der herausragt, wird eingehämmert) deutlich wird. Dieselbe Studie kam zu dem Ergebnis, dass auf der dating-site match.com mehr als die Hälfte der user nicht bereit waren eigene Photographien hochzuladen. Auf youtube werden viel eher Videos von den eigenen Haustieren als von der eigenen Person hochgestellt. Als google die Karten-Anwendung Street View in Japan welche dem Internetnutzer Nahaufnahmen von bestimmten Adressen und Orten bietet, das erste Mal veröffentlichte, gab es einen Aufschrei in der japanischen Bevölkerung und es kam zu Massenklagen gegen google, das daraufhin spezielle Konzessionen zum Schutz der japanischen Bevölkerung entwarf.
Foto: Mareen Fischinger

Für Menschen, speziell Jugendliche, die sich der sozialen Sphäre entziehen in ebenjenen virtuellen Schutzraum flüchten, gibt es im Japanischen den Ausdruck hikikomori. Sie schliessen sich in der Regel in ihre Zimmer ein, kommunizieren ausschliesslich digital und schafften es in den letzten Jahren zunehmend in die Medien. Roland Nozomu Kelts, Professor an der University of Tokyo, der dieses Jahr in dem Magazin Adbusters (Vol. 17, No. 6) einen Artikel über Japan’s Private Worlds publizierte, erwähnt noch andere Kategorien für Menschen, die in die Virtualität ab- bzw. eintauchen. Als “Parasitäre Singles”, werden jene junge Frauen bezeichnet, die es ablehnen von zu Hause auszuziehen, zu heiraten und schwanger zu werden. Außerdem identifiziert er die arubaito workers und Internet- Obdachlosen, in der Regel Teilzeit Vertrags-Arbeiter, die Nachtschichten-Anstellungen in Internet Cafes suchen und die unlängst gelabelten soshoku-danshi, junge Männer, die die Grundsätze der Männlichkeit – Sex mit dem anderen Geschlecht zu haben, Fleisch zu essen, Karrierepläne zu verfolgen und Markenartikel zu kaufen – ablehnen. Endet die Abkehr vom Waren-Konsum notgedrungen in der virtuellen Sphäre?

Im Jahr 2008 an einem Sonntagmittag fuhr der 25-jährige Tomohiro Kato einen geleasten Truck in eine Menge von Fußgängern, stach auf 17 von ihnen ein und tötete dabei sieben Menschen. Die Szene spielte sich mitten in Akihabara, Tokyos digitaler Medien Shopping-District. Wer elektronische Artikel, Handys, Video- und Computerspiele, Anime, Manga oder Pornos sucht, kommt geht nach Akihabara. Kato trug dafür Sorge, dass in den Stunden und Minuten vor seinem Amoklauf Kommentare zum Geschehen auf einem entsprechenden Internet Bulletin Board System von seinem Handy aus geschickt wurden. Polizeiberichten zufolge hatte Katon in den 30 Tagen vor seiner Tat mehr als 3000 postings im Internet getätigt, viele davon enthielten Klagen über Einsamkeit, Unattraktivheit und soziales Versagen. Den Polizisten erzählte Kato später: “I’m tired of life”.
Ist es etwas Japan spezifisches sichtendenziell weniger jenseits von Schlafzimmern, Internetcafe-Kabinen oder online chat rooms aufzuhalten? Wie wirkt sich die Kommunikation aus dem privaten Raum heraus auf die Beziehungen dieser Menschen zu communities im weitesten Sinne aus?
Die Konsum- und Kulturkritikerin Mariko Fujiwara schreibt: “When we talk about quote-unquote communities on the internet, some people are very commite
ted, while others are smply casual visitors on the site. They say whatever they feel like saying at the moment in five words…and then go on surfing the web for a few hours, never paying attention to what other members of the online community might go through in the next five hours.” Kato glaubte an seine online community, sonst hätte er wohl kaum soviele Kommentare gepostet. Zu Personen in seinem nächsten Umfeld, seinen geschiedenen Eltern, Nachbarn und Kollegen, hatte er kaum oder ein schlechtes Verhältnis. Trotzdem, die online-community war nicht in dem Maße vorhanden, als das sie ihn hätte unterstützen können – schon gar nicht in den Momenten, als er es am meisten brauchte.

Japan besetzt nach den USA und China den weltweit dritten Platz was Internetaktivitäten betrifft. Japanische Internet user haben mit 160 megabytes pro Sekunde den schnellsten Netz-Zugang, sprich sie können ohne Mühe hochqualitative Medien posten, konsumieren und downloaden. Aber was bewegt die Jugendlichen, wenn sie sich im Netz surfen? Fujiwara zufolge “they just want to have as many friends as they can. It’s very important to have lots of friends in your cell phone adress book or on Mixi (a social networking site), but to have a very casual and noncommittal relationship is even more important. The experience of having a best friend (…) seems to be long gone. They think that sort of deep relationship is just too much…It`s too heavy, too much effort to maintain and too scary.”

a 2-D-lover with his beauty in the salad bar | pohto: Lisa Katayama

Die japanisch-amerikanische Journalistin Lisa Katayama veröffentlichte im Sommer diesen Jahres in der NYT einen Artikel über die so genannte 2-D-Lieben – einer Subkultur japanischer Männer, die ihre romantische Beziehungen mit den Illustrationen ihrer idealen Partner suchen – manchmal Anime-Charakteren, manchmal Puppen ähnliche Figuren oder wie im Fall von Nisan, dem Protagonisten in Katayamas Reportage, einem lebensgroßen Kissen mit der Zeichnung des Objekts seiner Begierde. Toru Honda, der Guru des moe, wie das 2-D-Phänomen im slang genannt wird, hat schon mehrere Bücher zum Thema veröffentlicht. Er schreibt: “I’m not saying that everyone should throw away hopes of real romance right away. I am simply saying that guys like me who have gotten to a point of no return can be happy living in 2-D (…) Pure love is completely gone in the real worl (…) as long as you train your imagination, a 2-D relationship is much more passionate than a 3-D one.”
Wenn er jemals seine dreidimensionale Liebe finden sollte, sagt der Nisan, hoffe er, dass sie Nemutan, den Charakter auf seinem Kissen, für die akkzeptiere, die sie ist: “She is my life’s work. I would be devastated if that was taken away from me.”

08
Dec
09

Japaner heiratet Nintendo Spielfigur

Vor ca. zwei Wochen heiratete ein Mann in Japan erstmalig einen Charakter aus einem Nintendo DS Video Spiel. Der Name der Braut: Nene Anegasaki. Ihr Herkunftsort: das Game Love Plus. Zu den Hochzeitsgästen, die live während der Feierlichkeiten im Tokyo Institute of Technology zugegen waren, gehörten virtuelle und echte Charaktere: ein MC, ein Freund des Bräutigams, der eine Rede hielt – und ein menschlicher Priester. Das Video zum Fest gibts hier. Der Kommentar eines Zuschauers auf youtube kommentierte das Fest: “Never playing games again.”

03
Dec
09

tokyo hotel

I have been always dreaming of beds in university. Because sleeping with the head on the table in the library isn’t always that comfortable. When I saw the pictures of a blogger who visited Japan I got confused because what he made pictures of were pretty much the beds I imagined for school but when I saw them I was not quite sure if this what I wanted…

Foto: interzone.com


The person who posted this photo in the blogosphere wrote about his experience in the Capsule hotel: “Stacked two high, my ‘room’ was number 702. I had to climb up 3 steps to my coffin, er, room. There is a television (pictured upper left), radio, light, and air circulation fan. The “Door” is a rolling mat with a little catch at the bottom (…) The typical stay in Tokyo was about $220 my stay here was about $39. Oddly enough it was my best night of sleep in Japan.”

26
Nov
09

Producer – Consumer – Prosumer

hardcore prosumer home office. Foto: ariva.de

Weisst du noch wie’s frührer war? Alles immer so schön klar. Im Industriezeitalter beispielsweise herrschte die Vorstellung einer deutlichen Dreiteilung von Produktion, Distribution und Konsum vor. Diese Art der Dreiteilung war für materielle, inmaterielle, ja selbst für die klassischen Massenmedien unabdinglich. Ganz anders verhält es sich im beginnenden Informationszeitalter, das durch dezentralisierte Mediennetzwerke und weithin erschwingliche Produktionsmittel beherrscht wird. Auf einmal erfolgt Distribution automatisch, beinahe jeder Konsument kann auch gleichzeitig Produzent sein kann. Durch neue web-Technologien wie webloggin, podcasten etc. werden die Grenzen zwischen Produzentem und Konsumenten immer durchlässiger. Schon vor knapp 30 Jahren prägte Alvin Toffler den Begriff vom “Prosumer”. Der Medienforscher N. Bolz beschrieb den Prosumer als jene user, “die die neue Technik libidinös besetzen, die als Sonden in die Zukunft geschickt werden, um zu schauen, was geht und was nicht.” Prosumer kann als Ausdruck dafür verwendt werden, dass ein passiver Rezipient aktiver Partizipient wird. Durch diese Synthese wird grundsätzlich eine breitere Basis von Produzenten und Konsumenten geschaffen. Was passiert beispielsweise wenn, wie Wikipedias Slogan es beschreibt, ‘anyone can edit’, also potentiell jeder Nutzer aktiv an der Inhaltserstellung teilnehmen kann? Deshalb: Um die kreative und kollaborative Beteiligung zu beschreiben, die heutzutage nutzergesteuerte Projekte wie etwa die von Wikipedia auszeichnet, sind Begriffe wie ‘Produktion’ und ‘Konsum’ nur noch bedingt nützlich – selbst in Konstruktionen wie ‘nutzergesteuerte Produktion’ oder ‘P2P-Produktion’ sind irreleitend weil sie noch immer von einer Produzenten-Seite ausgehen. Aber Nutzer sind immer auch unausweichlich Produzenten einer gemeinsamen Informationssammlung. Ob sie sich dessen bewußt sind oder nicht: sie haben eine neue, hybride Rolle angenommen.

23
Nov
09

autonome einheiten und heterogene teile

Zwei Menschen, die während einer Militär-Parade in Mexiko Schutz vor dem Regen suchen. Eine Metapher für die autonome virtual reality im heimlichen Kampf gegen die uniforme real insanity? Foto: AP
Zwei Menschen, die während einer Militär-Parade in Mexiko Schutz vor dem Regen suchen. Eine Metapher für die autonome virtual reality im heimlichen Kampf gegen die uniforme real insanity? Foto: AP

Computer haben das Leben schneller gemacht es aber ansonsten nicht groß verändert, geschweige denn revolutioniert. Ist das so? Keine andere Maschine hat unser Leben so sehr beeinflusst wie das Auto, die Klimaanlage – und das Internet, schreibt Kevin Kelly, ehemaliger Leiter des Wired Magazins. Als grösstes virtuelles Netz der Welt vernetzt es Millionen von Computern und Menschen weltweit. Wir kreieren das Netz. Es wird von niemandem kontrolliert. Zumindest nicht flächendeckend. Obwohl täglich tausende von Nachrichten verschickt werden, gibt es keinen, der sie autorisiert. Der user ein Anarchist und das virtuelle Leben dezentralisiert? Das Netz prägt uns auch, sagt Kelly. Im letzten halben Jahrhundert, der so genannten Post-Moderne, ist der universelle Massenmarkt zusammengebrochen um einem Netzwerk kleiner Nischen-Ökonomien Platz zu machen. Das neue Markenzeichen der Netz-Epoche, so Kelly, ist das Fragment.

Eine Akkumulation von Fragmentierungen sind das einzige Ganze was wir noch haben. Fragmentierungen von Märkten, Glaubensüberzeugungen, Ethnizitäten, Subkulturen, der Wahrheit selbst in sich immer kleiner aufsplitternde Teile. Willkommen im atomisierten Leben. Menschen in einer derartig fragmentarisierten und gleichzeitig verbundenen Welt, so Kellys These, sind nicht mehr in der Lage einem zentralen Kanon, einer Führung zu erliegen. “Ich bin” verliert seine Gültigkeit. Offen distribuiertes, akephales (kopflose) wird zum sozialen Ideal stilisiert. Stattdessen können wir jetzt eine PC-Nation entwerfen, ein Land dezentralisierter Regierungs-Knoten und Gedanken. Ist das so? Ist das ein Trend, der sich schon jenseits des westlich geprägten, aufgeschlossenen Prosumers herumgesprochen hat? Oder handelt es sich hier um ein Phänomen, das von seinen noch der Elite angehörenden Erfindern gern auf die Weltbühne transportiert werden möchte? Kann mensch hier schon Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sprechen oder noch von Kulturhegemonie? Beim grossen virtuellen sozialen Netzwerken wie myspace oder facebook, hat “Ich bin” zumindest seine Gültigkeit noch nicht verloren, auch wenn “Ich bin” viel “Ich bin auch”-Konkurrenz bekommen hat. Und wenn wir wirklich eine virtuell getriggerte Revolution ansteuern, sind wir dann tatsächlich in der Lage homogene Systeme und uniforme Konstrukte wie die Nation, der Herrscher, die Nuklear-Familie etc. der Vergangenheit angehören zu lassen? Verhält es sich hier nicht eher so wie mit Ego-Shooter games, deren Spieler nicht Amok laufen, weil sie zuviel gezockt haben, sondern weil ihr Leben im Eimer ist und sie bis zum Hals in der Scheisse stecken? Soll heissen: Nur weil wir surfen und uns zur weltweiten user-community zählen können, sind wir noch lange nicht soweit die dem weltweiten Netz innewohnende kopflose, heterogene Gesellschaft in die Praxis zu übertragen, oder?

Mao's Traum wie gemalt: "Blaue Ameisen" bei der 60. Jahres Feier der chinesischen Republik. Foto: AP, Hamburger Abendblatt
Mao’s Traum wie gemalt: “Blaue Ameisen” bei der 60. Jahres Feier der chinesischen Republik. Foto: AP

Models bei der Modenschau des britischen Wäsche-Labels "Agent Provokateur". Photo: AP
Models bei der Modenschau des britischen Wäsche-Labels “Agent Provokateur”. Photo: AP

Fensterputzer in Frankfurt a.M. Foto: AP
Fensterputzer in Frankfurt a.M. Foto: AP

23
Nov
09

student of marijuana studies

Foto: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Marihuana_en_sem%C3%A1foro.jpg
“Pasted to the wall is a chart of the labyrinth of marijuana species, their effect on different diseases and their particular tastes. The horticulturist explains that there’s money to be made from the trade in medicinal marijuana but growers must tailor the plant to the customer’s need. ‘There’s pot that makes you not shut up for five hours. There’s pot where you sit on the couch and drool for five hours. That’s not what you need if you’re going to hold down a job. There’s thousands of people getting patient cards and they all have needs. If you can work out how to meet those individual needs you’re gonna get rich,’ he says.”
This is how a reporter of the Guardian magazine describes the new cannabis college, recently opened with courses on how to grow marijuana – and harvest, cook and sell it too – in Michigan, after the US state legalised the drug as a medicine.
The path was carved by California, where permission to buy marijuana requires little more than telling a sympathetic doctor it would make you feel better. Attitudes are changing in Washington too, where the Obama administration has told the FBI and other federal agencies to adhere to state marijuana laws in deciding who to arrest.
Recently the first coffee shop opened in Portland, Oregon that is the first cafe in the US that gives away certified medical marijuana users a place to obtain the drug and smoke it.

02
Nov
09

Pagani closed!!!

Foto: lesvos09.antira.
Now it’s official. Since last Saturday the detention centre of Pagani (see earlier reports) has been closed down by the local prefecture. After last months riots inside of Pagani, serious repression of the police and the boat accident a few days ago where 18 refugees died in the Aegean Sea while crossing the sea from Turkey to Lesvos/ Greece, the news about Lesvos and the life conditions of the refugees on the island did not stop. Now after the local prefecture finally decided to close down the prison or so called “welcome centre”, the cells are no longer locked, and migrants roam around in the yard. Some have taken out their mattresses and sleep outside, in order to avoid the intense bad smell from the cells. Food is given through prison bars. The last 130 prisoners except for four have been released and given ferry tickets to Athens.
Foto: http://lesvos09.antira
http://lesvos09.antira
That Pagani closed does not mean that the Greek government also plans to close down other detention camps. According to the tageszeitung, the EU is currently financing a programme to built up new detention camps with better standards. This means that also in the future the freedom refugees will be heavily restricted for months without giving any provision for the future. As the persistent protest against Pagani in Lesvos demonstrated, change can be achieved. In August various no border activists built up pressure through protests and activities in Lesvos, demanding notes of the UN and the EU followed. Through the media coverages of these events and announcements and especially the unbreakable will and strength of the prisoners, Pagani closed down. Nevertheless, this change is only a small step and further examination of the issue, protesting and awareness-raising is inevitable and necessary.

For more information see taz article
Foto: http://lesvos09.antira

Note: all pictures on this site are taken from http://lesvos09.antira.info/

30
Oct
09

Escaping from Afghanistan – The story of an afghan refugee Part 1

The following story was experienced and written down by Azadi, a refugee from Afghanistan I met in Greece this summer:

My name is Azadi and I want to tell you my story. I am from the north of Afghanistan. My story starts with my father’s job. My father is a general in the Afghan army. For 15 years he has been working for his country and his people. In fact, that was the most important for him: to support his people. He never worked for some political party. He is an honest general, a normal human. He was one of the only ones who were really interested to support his people and not the government or the Taliban. Every year during the time my father was working as a general, there were different governmental parties.
After 9/11 the USA and the NATO decided to come to Afghanistan to start a new war. Its their way of making money: to kill people, destroy Afghanistan support the drug business. At one point my father wrote a paper to the president of Afghanistan and asked for leaving his job in the army. He said at this point he can not help his people. He said: This war is not for peace or for humanity. And continued: Because I don’t want to be a slave of war I want to ask you to accept my retirement.
After some days we receive a letter of the defence ministry written in English and Farsi and signed by the president of Afghanistan the defence ministre and an American commander. They asked my father in the letter to work with them. They promised him money and power. But my father refused. He explained that he wants to live a life as other Afghans and not the life of a slave like the President.
One week later, the US defence ministry sent another letter to my father asking him again to work with them and that it would be a great chance for him. Again my father thanked them for the offer but rejected.
Some weeks later at 10 o’clock in the morning my father told me he has some work to do. My father still working as a general had bodyguards and I did not much worry. At ten o’clock at night I called him to tell him that the family is waiting for im to eat dinner. He said I shouldn’t worry and that he is coming a little bit later. So we started eating. But at 12 o’clock he was still not there and my mother started worrying. I was worried too. In our village it’s dark as in te forest at night and very dangerous. So I called him again and asked him where he is. At this point he became upset and assured me that he will come soon. In this night my mother couldn’t sleep. I told her not to worry and that he will come in the morning. But I feared the whole time that something had happened because of the presence of the US government in Afghanistan. My mother replied: Allah knows better.
In the morning when I woke up, my mother told me to call him to come home. When I called him this time his mobile was off. This moment was the worst in our life. We knew that our father was waking up every day at eight. So where was he? What happened? I decided to go to the police but they did not let me inside. Instead they said: Go to the Americans, ask them for help. They were the same police men who were always very kind to me during the time my father was still in his position. No they wouldn’t even let me pass. I went to the Defence ministry. But as they also refused to let me inside, I went to the main base of the Americans at the Bagram Military Airport. There they said they don’t know him and that he was not working with them. In the end I called my uncle who had the same job as my father but also working with the government and the US. When he recognized me he said that he has no time and that he does not wan me to call him again. I cried. Nobody helped me. What was I supposed to do now? I had to act since I was the oldest son in the family. But life went on. Bitterly. We cried every day. We got sick. My small brothers and sisters constantly asked for our father. Days were going like years, weeks like a century. After three weeks the defence ministry sent a letter to our house. Inside it was written that we have exactly 24 hour to leave the country. It said: only go with the cloths you wear on your body. Don’t ask for any permission to take something else from your home. My mother decided that we have to go. The army dropped us near the border to Pakistan. “Now you go straight tp Pakistan. There is no way to come back. If you do anyways we put you in prison. When I went to the bank to get some money and close our account the bank manager informed me that the government already closed our accounts and he is not allowed to give us even one cent. Luckily my mother had some little savings. So we went to Pakistan. I stayed there with my family for three months. It was hard because I had to work a lot to support our big family. That’s why I decided to leave for Greece. But since I had no money to pay the trafficking mafia I called a friend of my father. He got very angry when he heard what happened to us. I told him I need 5000 US $ to go to Greece. He is the president of a political party and the leader of the opposition in Afghanistan. He sent me the money and I started the journey. I risked my life on the way but now I am in Greece since over a year. I miss my father and my mother. I know she is very strong. Strong as my god my sisters and brothers.

Part 2 see below: From Pakistan to Greece – the story of an afghan refugee

30
Oct
09

Mardin und Derik – unterwegs in Südost-Anatolien

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Das ist Mardin. Im äußersten Südosten der Türkei gelegen, sind es bis zur syrischen Grenze 20 Kilometer. Irak ist nicht weit. Die Geschichte der Stadt ist mehr als turbulent. Und grausam. Während des Massakers an den Armeniern 1915-1916 wurden hier ausnahmslos alle arabischen, aramäischen und armenischen Christen der Stadt umgebracht. Heute leben alle in Frieden zusammen: Kurden, Araber, Aramäer und Türken. Keine Selbstverständlichkeit im konfliktträchtigen anatolischen Osten. Praktisch jeder, den wir auf der Strasse treffen spricht fliessend türkisch, arabisch und kurdisch. Neben Moslems und aramäischen Christen lebten bis vor einigen Jahrzehnten mehrere tausend jesidische Kurden in der Provinz Mardin. Die meisten von ihnen sind mittlerweile nach Deutschland ausgewandert.
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Der Blick vom alten Teil Mardins in Richtung Syrien auf die mesopotamische Ebene
Der Blick vom alten Teil Mardins in Richtung Syrien auf die mesopotamische Ebene
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Und der Blick in einer alte Leblebi-Manufaktur, wo noch immer wie früher Kichererbsen geröstet und verkauft werden. Bei dem Besitzer des Ladens durften wir unser Gepäck abstellen, unendlich viele Çays trinken, seine islamisch-nationalistischen Tiraden über uns ergehen lassen und fanden einen unglücklichen Kurden, der uns um ein bisschen glücklicher zu werden, durch Mardin begleitete.

Während wir auf einer Anhöhe in Richtung Syrien blicken, bemerken wir, dass wir nicht alleine sind. Wir kommen mit den beiden Mädchen die auf der Aussichtshöhe sitzen ins Gespräch. Nach fünf Minuten laden sie uns zu sich nach Hause ein.
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Dort erwartet uns eine 15-köpfige Kernfamilie, die bis auf ihre zwei männlichen Vertreter aus den liebenswürdigsten lachenden, schreienden, Kindern, Mädchen und Frauen besteht. Nachdem wir unseren Kaffee ausgetrunken haben, werden wir aufgefordert die Nacht bei ihnen zu verbringen. Wir nehmen die Einladung dankend an und werden wir bis zur Bettgehzeit mit Reis Gemüse, Süssigkeiten, frischen Pflaumen, Feigen, Granatäpfeln gefüttert. Beim Versuch erste kurdische Worte zu lernen, stellt sich heraus, dass Kurmanci und Romanes gemeinsame Wörter besitzen. Und ich frage mich weshalb die kurdische Mama wie eine klassische Zigeunermama aussieht.
On the way from Mardin to Derik we passed No-where-but-people-land
Von Mardin aus machen wir uns auf den Weg nach Derik, passieren trostlose und doch lebendige Orte
On the way to a holy spring in Derik we walked through the village
Während wir zu einer heiligen Quelle in den Bergen durch das Dorf wandern…

treffen wir Schulkinder auf ihrem Weg nach Hause…
We met schoolkids on their way home...
…junge Männer, die gerade von der Arbeit kommen…
...young men coming from work...

…und Familien mit ihren mit Feuerholz für den Winter beladenen Eseln
...and families with their loaden donkeys bringing home some wood for the winter.

20
Oct
09

What the heck means ‘uxorilocal’ or ‘acephal’ ?

If you ever sat in an anthropological lecture and asked youreself: “What the heck means ‘uxorilocal’ or ‘acephal’?” but you you didn’t want to ask your teacher or were to lazy or to poor to get yourself a dictionary of anthropological terms, the Cambridge University offers help. A 10 pages strong paper with the most important anthropological terms to download here:

anthropological terms




 

December 2009
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